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Wie schnell werde ich Schlagzeuger?

Sofort! Das ist kein Quatsch. Es gibt aus meiner Sicht kein anderes Musikinstrument, mit dem du so schnell in die Musik eintauchen kannst wie mit dem Schlagzeug – einfach, weil du überhaupt keine Noten kennen und spielen musst. Wenn du also dein Lieblingslied anhörst und dazu rhythmisch auf die Snare schlägst – dann bist du schon ein Schlagzeuger.

Und klar – sobald du den Basic Beat und einige Varianten des „Money Beat“ beherrschst, geht es erst so richtig los, denn dann kannst du gleich Hundertausende Songs mitspielen.

Falls die Frage aber darauf abzielt, wann man gemeinhin ein Schlagzeuger ist – wann also die meisten Menschen wohl davon ausgehen würden, dass du ein Schlagzeuger bist, dann kann die Antwort nur lauten: Das hängt einzig und allein von dir selbst ab, denn je mehr du spielst, umso schneller lernst du. Und je schneller du lernst, desto eher kannst du flexibel und mit gutem Timing zu allen möglichen und unmöglichen Sachen mitspielen.

Ich mache es konkret: Nehmen wir an, du bist hochmotiviert und möchtest so schnell wie nur irgend möglich ein Schlagzeuger werden, dann wirst du sicher jeden Tag mindestens eine oder zwei Stunden an deinem Set sitzen. Nehmen wir an, es ist so. Dann hast du nach nur einer Woche spätestens schon den Basic Beat drauf, und nach einem Monat kannst du schon spannende Variationen davon sicher spielen. Wenn du in diesem Tempo weitermachst, immer wieder mit dem Metronom an deinem Timing arbeitest und dich auch mit verschiedenen Stilen und Grooves beschäftigst, dann stellt dich schon nach einem Jahr so gut wie nichts mehr vor unlösbare Probleme. Du kannst also locker in einem Jahr Schlagzeuger werden, und der ein oder andere packt das auch in einem halben Jahr. Und wieder ein anderer braucht zwei, drei, vier oder fünf Jahre.

Es ist ja auch immer eine Frage der eigenen Ansprüche. Ich habe und hatte zum Beispiel immer einen enormen Anspruch an mein Timing – also daran, im Takt zu sein und vor allem aber auch daran, ob ich es nach dem Anhören eigener Aufnahmen auch tatsächlich war. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich zum Beispiel weit über zehn, eher 15 Jahre gebraucht, um wirklich das Gefühl zu haben, in 98% aller Fälle sauber im Timing bleiben zu können, ohne darüber nachzudenken. Auch dürfte es ähnlich lange gedauert haben, bis ich gelernt hatte, mich nicht mehr von Fehlern beim Spiel so sehr irritieren zu lassen, dass es mich hörbar rausgeworfen hat.

Und: Es gibt in diesem Zusammenhang auch noch diesen Aspekt der Eigen- und Fremdwahrnehmung. Noch heute spiele ich oft etwas ein und denke spontan ´Ähm, nein, so werde ich das ja wohl mit Sicherheit nicht lassen!´. Aber ich kenne mich. Und auch du wirst dich durchs Schlagzeugspielen viel besser kennenlernen. Und bestimmt geht es dir dann eines Tages auch so wie mir, dass du dir das soeben Gespielte eine halbe Stunde später anhörst und feststellst, dass du einen astreinen Supertrack ins musikalische Notizbuch gehämmert hast. Es gibt nichts Schöneres, als über seine eigenen Fortschritte zu staunen.

Du wirst daher den Zeitpunkt, wann du ´ein echter Schlagzeuger´ bist, selbst erfahren und ihn auch bewusst spüren. Wann genau er ist, hängt dabei in der Regel weniger von deinem Talent, sondern vielmehr von deinem Ehrgeiz ab. Wie immer im Leben, kommst du auch hier schneller weiter, wenn du die Dinge planerischer angehst. Dem einen liegt das mehr – dem anderen weniger. Ich wollte lieber, dass sich die Dinge von selbst entwickeln, und ich bin gut damit gefahren. Dafür hat es eben 15 Jahre gedauert. Na und? Ich hatte 15 Jahre sehr großen Spaß im Wartesaal der Eigen-Erkenntnis.

Viel Spaß beim Schlagzeugspielen,

Dein Philip Edelmann

Philip Edelmann

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der OpenMusicSchool und unterrichte seit über 10 Jahren einfach und spielerisch Schlagzeug, Klavier, Keyboard, Gitarre und Bass mit Online Video Kursen.

2 Kommentare

  1. Ich habe mit einem ziemlich hohen Alter mit Schlagzeug angefangen. Das war am 26. November 2018.
    Jetzt, im August 2019 kann ich schon einiges.
    Überzeugt hat mich Dein Konzept durch das Lernprinzip „Hören und Sehen – Spielen nach Gefühl“.
    Ich spiele ein Lied lieber nach Gefühl, als stur nach Schlagzeugnoten.
    Auf gehts – ich kann zwar die Schlagzeugnoten, aber diese Art liegt mir mehr!

    1. Hallo Gerd,

      mit ein bisschen Leidenschaft und Liebe zur Musik kann man gerade am Drumset viel erreichen. Gratulation zu Deinen schnellen Fortschritten. Als Schlagzeuger sollte man sich fallen lassen und den Groove frei atmen lassen. Mit Noten klappt das meistens nicht so gut!

      Beste Grüße
      Philip Edelmann

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