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Der Unterschied zwischen Klavier und Keyboard

Bei der OpenMusicSchool kannst du Klavier lernen oder Keyboard. Oder beides. Aber so oder so fragst du dich wahrscheinlich: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Klavier und Keyboard? Was passt besser zu mir?

Gewichtige Unterschiede…

Ein Klavier ist zunächst einmal in der Hauptsache dafür gemacht, Klavier zu spielen. Logisch. Es hat dazu im Falle eines Digitalpianos eine gute Tastatur, einen tollen Klavierklang und ein gutes Lautsprechersystem, damit du auch maximale Freude beim Spielen hast. Das akustische Klavier als solches ist so gesehen ein ganz und gar auf die Grundfunktion fokussiertes Instrument, das du weder mit Kopfhörer spielen kannst, noch hat es andere Klänge zu bieten, dafür aber einen organischen, natürlichen Klang, den du regelrecht fühlst. Aber manchmal macht es zum Beispiel auch einfach nur Spaß, mit einem anderen Klavierklang zu spielen – zum Beispiel einem Western-Saloon-Klavier. Das geht aber nur mit einem Digitalpiano.

Die Wichtigkeit 88 normalgroßer Tasten

Aber unabhängig davon, ob du dich jetzt für ein akustisches Klavier oder ein Digitalpiano entscheidest (siehe hierzu unbedingt auch den Artikel ‘Welches Klavier soll ich kaufen? Kaufberatung Klavier / Digitalpiano’), du hast in jedem Fall immer einen Klavierklang, ein Pedal und 88 Tasten in ‘normaler’ Standardgröße und Standardbreite. Das ist sehr wichtig, denn auf diesen Tasten fühlst du dich auf Grund ihrer Größe und Gewichtung am wohlsten. Es gibt in diesem Zusammenhang sehr, sehr günstige Digitalpianos ab ca. 300 Euro, aber bei diesen wird natürlich an der durchaus komplexen Mechanik der Tasten gespart, und dadurch kann ich sie nicht empfehlen, weil sie dann oft zu leichtgängig sind. Ich selbst mag zwar lieber etwas leichtgängigere Tastaturen, aber wir sprechen bei den sehr günstigen Instrumenten von Tastaturen, die so leicht sind, dass du dich einfach sehr oft verspielst.

Was ist ein Keyboard-Keyboard?

Und wo wir also gerade bei diesem Thema sind, können wir uns auch gleich der Ausgangsfrage widmen, was denn nun eigentlich ein Keyboard ist. (Englisch: Keyboard, deutsch: Tastatur) Nun, zunächst einmal ist ein Keyboard in allererster Linie schon mal KEIN Klavier. Es hat in der Regel nur 61 Tasten, und diese Tastaturen sind zum Klavier spielen aber nicht nur wegen ihres im Vergleich zu einer vollwertigen 88er-Tastatur stark reduzierten Tonumfangs nicht geeignet, sondern vor allem, weil sie nicht gewichtet und noch dazu schmaler sind. Sie federn völlig anders und sind viel eher für schnelle Synthesizersoli und solche Dinge gemacht. Man nennt sie auch ‘Waterfall’-Tastaturen, weil man auf ihnen auf Grund ihrer Bauform sehr leicht Glissandi spielen kann – mithin also das leichte Überstreichen zum Beispiel aller weißen Tasten mit einem Finger von unten nach oben oder andersherum. Das geht bei einer richtigen Klaviertastatur zwar auch, aber bei den leichten Keyboardtastaturen geht es viel leichter. Bloß brauchst du das so gut wie nie, und vom Glissando abgesehen, erkaufst du dir mit einer Keyboardtastatur ansonsten nur Nachteile. Zum Klavier spielen ist ein Keyboard-Keyboard – also die Tastatur des Keyboards – nicht oder nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Für die ersten Wochen oder Monate kann es ein (günstiger) Kompromiss sein, aber irgendwann wirst du eine ‘richtige’ Tastatur brauchen und wollen.

Wozu also die leichten Tasten beim Keyboard?  

Aber warum hat nun so ein Keyboard überhaupt eine solche Tastatur? Ganz einfach deswegen, weil der Sinn und Zweck bei einem Keyboard ein völlig anderer ist als bei einem Klavier oder Digitalpiano. Bei einem Keyboard sieht die normale Spielart ungefähr wie folgt aus: Du spielst mit der linken Hand Akkorde – und manchmal reicht dazu eine Taste oder zwei, denn das Keyboard interpretiert diese deine Tastendrücke ganz automatisch als Akkordspiel. So kannst du zum Beispiel mit der linken Hand ein tiefes C spielen, und das Keyboard und seine sogenannte Begleitautomatik machen daraus eine vollständige Begleitung mit C-Dur-Akkord und einem mehr oder weniger vollen Arrangement, das durchaus mehrere Instrumente gleichzeitig beinhaltet – inklusive Schlagzeug, Bass, Streichern, Percussions und vielem mehr.

Mit der rechten Hand spielst du dann in der Regel einstimmige Melodien, die durch einen entsprechend voluminösen Soloklang auch entsprechend super voll klingen. Und so hast du in diesem einfachen, aber gar nicht seltenen und ungewöhnlichen Beispiel mit zwei oder drei Fingern ein ganzes Orchester oder eine ganze Band unter deinen Händen, die allesamt deinen Akkord-Vorgaben in Echtzeit folgen, sodass du ein wirklich tolles Spielerlebnis hast. Und da der Tonumfang für solche Stücke in der Regel auch nicht so groß ist und die meisten Keyboarder auch keine überbordend virtuosen Figuren spielen, reicht hier eben normalerweise die 61er Wasserfall-Tastatur aus. Auch kannst du so ein Keyboard vergleichsweise günstig kaufen, hast bereits eingebaute Lautsprecher, und das Gehäuse ist auch auf Grund des geringeren Tastaturumfangs natürlich deutlich kleiner als bei einem Digitalpiano oder gar einem ausgewachsenen Klavier mit 1,2 Meter Höhe.

Es hat aber mit diesen beiden ‘richtigen’ Klaviertypen auch viel zu wenig gemeinsam, und wenn du aber richtig Klavierspielen lernen möchtest, dann ist wie gesagt ein Keyboard eben nicht das richtige Instrument für dich.  

Alternative?

Was aber durchaus eine Alternative sein kann, falls zu zum Beispiel bereits ein mehr oder weniger gutes Keyboard mit einem guten Klang besitzt, ist der Zukauf einer 88er Tastatur ohne eigene Klangerzeugung. Dazu ist es notwendig, dass dein Keyboard und die zusätzliche 88er Tastatur beide über den sogenannten Midi-Standard verfügen. Dann kannst du die Klänge des Keyboards mit der neuen und ‘amtlichen’ 88er Tastatur spielen. Das dürfte aber dennoch nur in wirklich ganz bestimmten Konstellationen Sinn ergeben, dann nämlich, wenn du ein wirklich gutes Keyboard mit einem hochklassigem Klavierklang hast. Denn so eine Zusatztastatur kostet durchaus Geld, und nicht selten bekommst du für einen vergleichsweise geringen Aufpreis schon ein vollständiges Stagepiano – also ein Digitalpiano ohne großem Gehäuse, das du dann auf einen stabilen Keyboardständer stellst. Die Kombination ist sehr spannend, denn so hast du plötzlich zwei Welten vor dir: Eine amtliche 88er Tastatur zum richtigen Klavierspielen, eine leichte Keyboardtastatur für schnelle Synthesizer- und Keyboardsachen. Wenn du die beiden kombinierst, kannst du schon mithilfe eines Computers oder Tablets mit Leichtigkeit eigene Songs komponieren, oder am Computer mit Hilfe von virtuellen Instrumenten wiederum ganz andere Sounds anspielen. Du hast zudem zum Klavier auch noch die spannende Begleitautomatik des Keyboards und hast noch dazu den Vorteil, dass du jederzeit ‘richtig’ Klavierspielen kannst oder aber eben ‘richtig’ Keyboard, und das Keyboard kann eben wieder ganz andere Sachen als das ‘reine’ Digitalpiano. So ähnlich war es bei mir, als ich im Alter von 16 Jahren mit den elektronischen Musikinstrumenten angefangen hatte. Ich hatte zwar kein Keyboard, aber dafür hatte ich einen Synthesizer mit einer ähnlichen Tastatur nebst einer Drummachine für die Rhythmus-Sachen. Auch diese Gerätschaften waren damals schon per Midi verbunden, und das ist immerhin schon über 30 Jahre her.

Dein Philip Edelmann

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Philip Edelmann

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der OpenMusicSchool und unterrichte seit über 10 Jahren einfach und spielerisch Schlagzeug, Klavier, Keyboard, Gitarre und Bass mit Online Video Kursen.

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