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Welches Klavier soll ich kaufen? Kaufberatung Klavier / Digitalpiano

Digitalpianos gehört die Zukunft

Wenn es nach mir geht, dann kaufst du dir ein Digitalpiano. Diese gibt es in nahezu allen Preisklassen, und wir sprechen hier von knapp 300 Euro bis hin zu mehreren Zehntausend Euro(!) für einen digitalen Flügel. Der Mainstream ist aber eher so zwischen 800 und 1.500 Euro angesiedelt, und bei 800 Euro fangen auch die wirklich tollen Instrumente schon an. 500 Euro sind immer noch ein guter Kompromiss gerade für den Anfang. Darunter würde ich eher nicht kaufen – da fehlt es dann einfach zu sehr an der Tastaturqualität und am guten Klang bzw. auch entsprechend guten Lautsprechern. Mein Tipp: Wenn du gerade erst mit dem Klavier spielen anfängst und nicht viel Geld ausgeben möchtest, dann kaufe dir lieber ein gebrauchtes Modell in deiner Nähe über Kleinanzeigen. Dann kannst du hinfahren und das Instrument in Augenschein nehmen und Probe spielen. Im Idealfall hat das Klavier dann keine Gebrauchsspuren, alle Tasten, Pedale und Bedienelemente funktionieren, es stammt nicht aus einem Raucherhaushalt, und das Nichtvorhandensein von Haustieren ist auch kein Fehler. Wenn du nicht weißt, ob das Modell etwas für dich ist und der Preis ok ist, dann schreibe uns gerne einfach an, und wir schauen, ob das Angebot für dich passt.

Warum digital?

Aber warum empfehle ich ein Digitalpiano? Ist ‘echtes’ Klavierspielen lernen nicht in Wahrheit auch nur auf einem ‘echten’ Klavier möglich? Klares Nein, denn es geht zunächst einmal – vereinfacht gesagt – darum, dass du 88 gut spielbare Tasten in der richtigen Höhe vor dir hast, dazu einen gut klingenden Klaviersound, ordentliche Lautsprecher, einen Kopfhörer und ein Haltepedal. Vor 20 bis 30 Jahren war es noch nicht so einfach, eine bezahlbare Kombination zu bekommen, die in allen Kriterien voll überzeugen konnte. Heute ist das aber anders, und bei den meisten Modellen bekommst du jetzt eine wirklich tolle Qualität hinsichtlich Tastatur, Klang und Verarbeitung, und an einem solchen Instrument wirst du jahre- und nicht selten jahrzehnte-langen Spielspaß haben.

Alles auch eine Preisfrage

Bei den Digitalpianos – zu ihren Vorteilen gegenüber akustischen Instrumenten komme ich gleich – gibt es je nach Preis unterschiedliche Bauformen, und es ist logisch, dass sowohl das Gehäuse, als auch die Lautsprecher weniger umfangreich und die Qualität der Tastatur und des Klanges weniger gut ausfallen, wenn ein Instrument sehr günstig gefertigt und angeboten wird. Ab der 800 Euro-Preisklasse hast du es in der Regel aber schon mit sehr stabilen und praxisgerechten Instrumenten zu tun, und bei diesen sind auch meist die Lautsprechersysteme größer und aufwendiger, sodass du einen volleren Klang hast. Meisten sind diese Digitalpianos an der Rückseite nicht ganz geschlossen, aber das hat überhaupt keine Bedeutung. Hier grenzen die Hersteller nur die Gehäuse von denen der teureren Modelle ab. Ob du durch einen Teil der Rückwand die dahinterliegende Zimmerwand sehen kannst, ist nur eine optische Sache. Und gleichzeitig aber werden noch einmal bessere Komponenten in den Instrumenten verbaut, die die 1.000-Euro Marke überspringen. Aber nur diese sind wichtig für einen besseren Klang – nicht ein halber Quadratmeter mehr Holz an der Rückseite.

Die Vorteile des Digitalpianos

Jetzt also zu den versprochenen Vorteilen des Digitalpianos gegenüber akustischen Klavieren: Da ist zunächst natürlich der Preis zu nennen. Ein gutes Klavier sollte als Faustregel mindestens 1,20 Meter in der Höhe aufweisen, damit der Klang gut genug ist, und solche Klaviere beginnen realistisch und bei guter Qualität bei ca. 5.000 Euro, und es dürfen aber auch gerne 8.000 oder 10.000 Euro sein. Aber beschränken wir uns zunächst auf ‘nur’ ca. 5.000 Euro. Dafür kaufst du dir dann ein Klavier, das du selbst weder transportieren, noch auf- oder abbauen kannst, wenn du es mal zum Beispiel in einem anderen Raum haben möchtest. Das ist also Nachteil Nummer 2 – die Immobilität.

Gute Stimmung ist immer wichtig

Nachteil Nummer 3 bezieht ich auf die Wartung, denn ein akustisches Instrument muss tatsächlich gewartet – nämlich gestimmt werden. Daran geht kein Weg vorbei, und du sollstest das wenigstens einmal im Jahr machen lassen. Das kannst du leider auch nicht selbst machen, sondern musst einen Klavierstimmer beauftragen. Das Stimmen ist aber ausgesprochen wichtig, denn sonst gewöhnen sich deine empfindlichen Ohren mit der Zeit an eine falsche Stimmung. Digitalpianos müssen Prinzip bedingt nie gestimmt werden. Das Stimmen kostet natürlich auch Geld, und deswegen machen es viele Besitzer von Akustikklavieren nicht oder nur alle paar Jahre. Davon kann ich aber wie gesagt nur abraten, denn von der Problematik, dass du dein Gehör an eine falsche Gesamtstimmung gewöhnst, einmal abgesehen, klingt so ein verstimmtes Klavier auch furchtbar.

Wen stört’s?

Nachteil Nummer 4 betrifft die Flexibilität beim Spielen, denn wenn du in einer Wohnung wohnst und Nachbarn hast und / oder wenn du Mitbewohner abends um 21 Uhr zum Beispiel nicht stören möchtest, dann brauchst du einen Kopfhörer, und den kannst du logischerweise nur an ein Digitalpiano anschließen.

Ein Klavier ist ein Klavier, ist ein Klavier,…

Nachteil Nummer 5: Ein Klavier kann nur nach Klavier klingen. Du wirst vielleicht argumentieren, dass das ja nichts macht, denn du willst ja auch ‘nur’ Klavier spielen. Aber in Wahrheit vergibst du dir riesige Möglichkeiten und unendlich viel Spaß beim Spielen, wenn du dich ‘nur’ auf einen Klang beschränkst. Denn: Digitalpianos bringen immer auch noch andere spannende Klänge mit, und wo es bei den günstigeren Modellen nur eine oder zwei Handvoll davon sind, hast du bei etwas teureren Modellen gleich einen riesigen bunten Strauß an allen nur erdenklichen Klängen. Da ist dann von E-Pianos über Streicher und Orgeln bis hin zu den tollsten synthetischen Klängen alles dabei, und in den Modellen ab 1.000 Euro und auch kurz darunter kannst du dann auch oft dein Klavierspiel schon im Instrument aufnehmen und sogar ganze Stücke selbst komponieren. Einfach einen Klang auswählen, auf Aufnahme drücken und ein paar Noten spielen. Und schon hast du deine erste eigene Idee erschaffen und eingespielt. Die Möglichkeiten sind wirklich fantastisch, und selbst wenn du 1.500 oder 2.000 Euro für ein Digitalpiano ausgibst, dann hast du immer noch weit über 3.000 Euro im Vergleich zu einem ‘günstigen’ akustischen Klavier gespart und hast noch dazu keine Wartungskosten.

Leichtes Spiel

Die Tastaturen bei Digitalpianos im mittleren Preissegment ab 800 bis 1.000 Euro sind schon total super, und so ist auch der Klavierklang, der ja zunächst einmal der wichtigste beim Digitalpiano ist. Und: Du hast in dieser Preisklasse auch schon eine sehr große Auswahl an unterschiedlichen Tastaturen, denn die einen spielen sich leichter und die anderen etwas schwerer. Das ist immer eine Sache der persönlichen Präferenz, denn nicht jede Hand und nicht alle Finger sind hinsichtlich ihrer Kraft gleich. Ich bevorzuge zum Beispiel eher leichtgängigere Tastaturen, und als Kind habe ich auf einem Flügel der Leipziger Firma Blüthner das Klavier spielen gelernt. Das war ein Glücksfall, denn dieser Flügel hatte eine durchaus leicht spielbar zu nennende Tastatur. Viele andere Flügel, die ich sonst schon gespielt habe – auch solche im 100.000 Euro-Preisbereich – waren mir allesamt deutlich zu schwer vom Anschlag her. Ich fand sie teigig und hatte das Gefühl, ich komme nicht von der Stelle.

Persönliche Entscheidung

Du siehst also – die Vorteile, die ein Digitalpiano gegenüber einem akustischen Klavier bietet, sind kaum von der Hand zu weisen. Aber das heißt eben nicht, dass du deswegen auch wirklich unbedingt ein Digitalpiano kaufen musst. Vielleicht bist du einfach ein Anhänger ‘echter’ akustischer Instrumente. Sie resonieren direkt mit deinem Körper, haben eine direkte Ansprache und benötigen keinen Strom. Dann kaufst du dir eben lieber ein ‘echtes’ mechanisches Klavier. Ich empfehle den Kauf eines gebrauchten Klaviers das bei einem professionellen Händler fachgerecht in Stand gesetz wurde. Bitte achte eben nur darauf, dass es von ausreichender Höhe und gutem Klang ist und dass du es dann regelmäßig stimmen lässt. Und schau’ dir auf jeden Fall aber dennoch VOR dem Kauf in einem großen Musikfachgeschäft neben den akustischen Instrumenten auch das ein oder andere hochwertige Digitalpiano an – einfach, damit du auch einen echten Vergleich hast. Dazu solltest du aber natürlich nicht ein 5.000 Euro-Akustikklavier mit einem 500 Euro-Digitalpiano vergleichen, denn dann vergleichst du Äpfel mit Birnen. Bei einem 5.000 Euro-Akustikklavier würde ich mir Digitalpianos in der Preisklasse ab 2.000 Euro anschauen, denn offenbar bist du ja ohnehin bereit, Geld für Qualität auszugeben, und das sollte dann eben auch für ein möglicherweise infrage kommendes Digitalpiano gelten.

Egal wofür du dich entscheidest – viel Spaß beim Klavierspielen,

Dein Philip Edelmann

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Philip Edelmann

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der OpenMusicSchool und unterrichte seit über 10 Jahren einfach und spielerisch Schlagzeug, Klavier, Keyboard, Gitarre und Bass mit Online Video Kursen.

2 Kommentare

  1. Ein gebrauchtes Modell über Kleinanzeigen, eben so war auch unser Weg zum Klavier. Habe das Instrument für die Tochter in der Nähe gefunden. Es soll bald schon geliefert werden. Warte gespannt auf die ersten Töne in unseren Wänden. Wer weiß, wahrscheinlich wird auch die ganze Familien an den Winterabenden bei uns zusammenkommen, um unsere Else zu hören. Zum Digitalpiano kommen wir bestimmt, etwa später. Vielen Dank für diesen Tipp zu dem Digitalpiano! Davon habe ich nicht gewusst.

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