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Die besten klassischen Stücke für Klavier, Teil 1

Beethoven, Mozart, Bach & Co.

Beethoven, Mozart, Bach & Co.

Du suchst die besten klassischen Stücke für Klavier? Dann bist du hier genau richtig.

Auch wenn sich die Erfindung des Klaviers und seiner Vorformen nicht exakt datieren lässt, so entstanden doch vor allem ab dem 17./18. Jahrhundert zahlreiche geniale und weltberühmte Kompositionen für Klavier oder Cembalo, die die Basis der sogenannten „klassischen Musik“ bilden. Im Zentrum der Erfolgsgeschichte klassischer Musik steht vor allem die Wiener Klassik (1779 bis ca. 1825), der hauptsächlich Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zugerechnet werden. Im erweiterten Sinne der Einordnung in diese Blütezeit gehören auch Franz Schubert oder Antonio Salieri dazu.

In jener Epoche entstanden musikalische Meisterwerke mit außergewöhnlicher Ausdrucksstärke, formaler Perfektion und kompositorischer Virtuosität.

Im deutschsprachigen Raum – aber auch international – stammen die bekanntesten Lieder der klassischen Klaviermusik aus der Feder von Beethoven, Mozart und Schubert, aber auch Bach sollte nicht ausgeklammert werden, der bereits vor der Wiener Klassik grandiose Werke für Klavier komponierte und einen nachhaltigen Einfluss auf Pianisten späterer Zeiten ausübte.

In Teil 1 dieser Beitragsreihe findet ihr eine Liste von je zwei bekannten klassischen Klavierstücken eben dieser vier genialen Komponisten.

Achtung: Mitglieder der OpenMusicSchool finden zu jedem Werk einen Link zum passenden Klavier-Videokurs, um das Stück zu lernen – sowie die passenden Klaviernoten zum Download.

Viel Spaß!

1. Ludwig van Beethoven – Für Elise

Bagatelle No. 25 in A-Moll, WoO 59

„Für Elise“ ist sicherlich das bekannteste Stück auf dem Klavier überhaupt. Die Hauptmelodie taucht zum ersten Mal in einer Notiz zu Beethovens einziger Sinfonie auf: Der Pastorale. (Sinfonie Nr. 6 in F-Dur, op. 69)

Bei der Bezeichnung „Für Elise“ handelt es sich um eine Widmung, die sich auf einem verschollenen Autograph vom 27.04.1810 befand. Diese Fassung wurde von 1867 von Ludwig Nohl veröffentlicht und bildet die Grundlage der meisten modernen Interpretationen des Stücks. Interessanterweise ist bis heute unbekannt, um wen es sich bei „Elise“ genau handelt, oder ob es sich nur um eine spezielle Musikmetaphorik handelt, also die Abfolge der Noten E und „S“ (Es), als enharmonische Verwechslung von „Dis“. Also: E – (L) – (I) – S – E.

Im Jahre 1822 schrieb Beethoven eine neue Fassung, mit Änderungen in der linken Hand, einer Erweiterung des Tonumfangs und einem rhythmisch komplexeren B-Teil. Diese Version war als No. 12 einer größeren Reihe an Bagatellen konzipiert.

Das Stück basiert auf drei verschiedenen Teilen, in der rondoartigen Form A–B–A–C–A arrangiert.

Der Auftakt beginnt chromatisch und repetiert den Halbtonschritt e’’–dis’’. Dieser Tonsprung wird als spielerische Figur das Erkennungsmerkmal von „Für Elise“.

Der C-Teil des Stücks bricht mit dem bekannten Thema und erzeugt einen deutlichen Stimmungswechsel – ein kluger kompositorischer Kniff, um schließlich wieder im vertrauten A-Teil zu münden.

2. Ludwig van Beethoven – Mondscheinsonate

Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 in cis-Moll

Beethovens Mondscheinsonate wurde 1801 fertiggestellt. Er gab seinem Werk den Titel: Sonata quasi una Fantasia per il Clavicembalo o Piano-Forte. Seine Sonate ist also eine Art Fantasie, in Aufbau und den verwendeten Tempi anders als die herkömmliche Sonaten jener Zeit.

Im Verlauf der drei Sätze wechselt Beethoven von einem trägen adagio sostenuto über ein lebhaftes allegretto hin zu einem presto agitato, ein schnelles und besonders virtuoses Finale.

Beethoven komponierte die Mondscheinsonate als Gast eines barocken ungarischen Gärtnerhäuschens. Später widmete er sie seiner damals 20 jährigen Schülerin Julie Guicciardi. Die Bezeichnung Mondscheinsonate ist erst ab 1837 überliefert, Beethoven selbst hat sie angesichts ihrer schon damals immensen Populariät Laubensonate genannt, da Teile des Werkes in einer Gartenlaube improvisiert wurden.

Obwohl es sich in seiner Gesamtheit um ein Meisterwerk handelt, erlangte vor allem der melancholische 1. Satz große Berühmtheit – und das nicht ohne Grund.

Satz Nr. 1 ist langsam, wird aber etwas schneller alla breve gespielt, d.h. die ganzen Noten werden als halbe Notenwerte interpretiert.

3. Wolfgang Amadeus Mozart – Sonate Facile

Sonate Nr. 16 in C-Dur, KV 545

Die Sonate Facile, also „einfache Sonate“ wurde von Wolfgang Amadeus Mozart 1788 für Klaviereinsteiger komponiert. Das Stück hat einen für den Hörer angenehmen, lieblichen Klang ist aber entgegen des Titels für den Klavierspieler keine leichte „Übung“.

Die drei Sätze Allegro, Andante und Rondo sind grundsätzlich in einfachen Tonarten gehalten, Mozart verzichtet auf weitgehend auf Dissonanzen und tonale Experimente.

Die berühmte Exposition im 1. Satz basiert auf einer klassischen Kadenz und weicht nicht von der Abfolge, Tonika-Dominante-Tonika-Subdominante ab.

Während die Tonalität der Sonate keine großen Überraschungen bietet, ist der Aufbau durchaus vielschichtig und es kommt Mozarts ganze Arriviertheit zum Ausdruck. Entsprechend gibt es im Stück auch einige virtuose und anspruchsvolle Passagen, die sich aber für jeden Pianisten lohnen. Ein großes, wunderschönes Werk.

4. Wolfgang Amadeus Mozart – Andante Grazioso und Türkischer Marsch

Sonate Nr. 11 in A-Dur, KV 331

Die Klaviersonate Nr. 11 mit ihren 3 unterschiedlichen Sätzen ist sicherlich eines der bekanntesten Werke von Mozart. Mozart komponierte es im Jahr 1783 in Wien oder Salzburg.

Schon das erste Thema andante grazioso ist vielen Klassikhörern äußerst vertraut – schlicht und doch elegant und tiefgründig – hier kommt Mozarts ganze Genialität und Ambivalenz zum Ausdruck.

Ungewöhnlich geht es im zweiten Satz, dem Menuett, weiter: Es beginnt mit langsamen Variationen und schließlich einem schnellen Kehraus als letzter Variation, im Anschluss folgt das eigentliche Menuett, von ausladendem, übersteigertem Charakter. Einzigartig schön.

Das Highlight der Sonate ist aber der rondo alla turca, ein Musikstück nach dem Vorbild türkisch-orientalischer Janitscharenmusik. Im 18. Jahrhundert, 100 Jahre nach dem Angriff der Osmanen auf Wien, gab es im Wiener Publikum eine regelrechte Turkomanie, der Mozart hier zu entsprechen weiß. Der rondo alla turca, auch Türkischer Marsch genannt, ist der dritte Satz der Sonate und wird im 2/4-Takt gespielt. Das Stück ist allegretto, hat also ungefähr 128 Schläge in der Minute. Mozart selbst schreibt: „Es muss (…) artig, tändelnd, und scherzhaft vorgetragen werden“.

Entsprechend ist der sogenannte Türkische Marsch ein recht heiteres Stück. Dies wird von Mozart durch die gebrochene, akzentuierte Spielweise deutlich gemacht.

Der Rondo hat folgendes Schema: |: A :||: B – A‘ :||: C :||: D :||: E – D‘ :||: C :||: A :||: B – A‘ :||: C‘ 😐 F

Der dritte Satz besteht also aus sechs unterschiedlichen Teilen. Der prägende A-Teil steht in a-Moll und basiert auf rasch aufsteigenden, umspielten a-Moll Dreiklängen, die den Eindruck erwecken, dass hier ein harmonischer Wechsel stattfindet, der de facto gar nicht vollzogen wird. (Scheinmodulation)

Teil B bildet gewissermaßen eine Antithese – hier wird in der Tonikaparallele C-Dur eher eine Abwärtsbewegung angedeutet, die letztlich aber wieder in a-Moll mündet. Teil C erzeugt sodann einen noch größeren Bruch – und steht in A-Dur. Die Teile D (fis-Moll) und E lassen sich als Durchführungen interpretieren, als Überleitung zurück in die Reprise der Teile A und B. Über eine Wiederholung von Teil C endet das Stück mit Teil F in einer grandiosen, triumphalen Coda in A-Dur, also der Tonart der gesamten Sonate. Hier wird der typische Klang von Becken und Trommeln

Die Sonate Nr. 11 ist in ihrem formalen Aufbau keine typische Mozart-Sonate und genau deswegen so einzigartig. Das Werk ist komplex und besticht durch eine sehr kreative Rhythmik, Melodik und Ornamentik.

5. Johann Sebastian Bach – Das wohltemperierte Klavier

Erster Teil, Präludium und Fuge in C-Dur, BWV 846

Das wohltemperierte Klavier ist eine Sammlung von 24 Präludien und Fugen aus dem Jahr 1722 (Teil 1).

Johann Sebastian Bach komponierte diese Stücke in Form von Satzpaaren explizit um die neue wohltemperierte Stimmung, die schon 1861 von Andreas Werckmeister entwickelt worden war, in allen 12 Dur- und den entsprechenden 12 Moll-Tonarten zu demonstrieren. Mit dem Erfolg dieses Werkes verhalft Bach der neuen Stimmung zum Durchbruch.

Bisherige Stimmungen – wie die mitteltönige Stimmung – hatten den entscheidenden Nachteil, dass die Tonarten umso unreiner klangen, je weiter diese von C-Dur entfernt waren. Die 12. Quinte wird dabei zu einem sogenannten Wolfston, weil sich die Reibung besonders heulend und dissonant anhört. Erst mit der wohltemperierten Stimmung wird dieses Problem weitestgehend beseitigt, auch wenn es sich dabei noch nicht um eine moderne durchgängig gleichstufige Stimmung handelte. Die Tonarten behielten also noch ihren Charakter, konnten aber prinzipiell gleichberechtigt eingesetzt werden.

Das erste Stück der 24 Satzpaare in C-Dur (Präludium Nr. 1, BMV 846), ist auch gleich das bekannteste. Es handelt sich dabei um eine ästhetisch beeindruckende Progression durch die Tonart C-Dur in Halbtonschritten, ausgehend vom Grundton C. Für jeden Klavierschüler ist dieses Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier eine perfekte Übung und ein Einstieg in die Harmonielehre. Mathematisch perfekt, künstlerisch wertvoll – Bach hat damit eine neue Ära eingeleitet.

6. Johann Sebastian Bach – Menuett 114 & 116

Menuett in G-Dur, BWV Anh. 114 & 116 (Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach)

Die Menuette 114 und 116 sind Teil eines edlen Notenbuches im Goldschnitt, dass die Initialen von Bachs Frau Anna Magdalena trägt. Es wurde von Bach ca. 1725 zusammengestellt. Bei einigen Stücken ist der Urheber unbekannt, andere stammen erwiesenermaßen nicht von Bach selbst.

Menuett 114 in G-Dur ist ein schönes, eingängiges Lehrstück, das in vielen Klavierschulen und Notenbüchern gelehrt wird. Es entstammt (zusammen mit Menuett 115) einer Cembalo-Suite von Christian Petzold.

Anh. 116 steht ebenfalls in G-Dur und klingt ebenso fröhlich und verspielt wie Menuett 114. Es besticht durch kleine, eingängige Melodien und plakative rhythmische Akzente.

Die perfekten Stücke für Klavieranfänger als Einstieg in die Klassik!

Hier geht’s zum passenden Kurs:

7. Franz Schubert – Ave Maria

Op. 52, Nr. 6, D 839 (Ellens Gesang III „Hymne an die Jungfrau“)

Im Jahr 1825 komponierte Franz Schubert insgesamt sieben Stücke aus Walter Scotts Gedicht The Lady of the Lake. Das sechste Stück trägt den Namen Ellens Gesang III, „Hymne an die Jungfrau“ bzw. „Ave Maria! Jungfrau mild!“ und wurde in der für Klavier (Begleitung) und eine solistische Frauenstimme konzipiert.

Schon Schubert selbst war sich ob des großes Erfolges dieser Vertonung bewusst, dass das Stück „alle Gemüter ergreift und zur Andacht stimmt“. Das hat sich bis heute nicht geändert – wer die ersten fünft Noten des Themas hört, kann sich der Tiefe und Erhabenheit der Tonfolge kaum entziehen, weshalb Ave Maria mit lateinischem Text häufig in Gottesdiensten zum Einsatz kommt.

Während dem Klavier in der Orignalnotation eher eine untergeordnete Rolle zu kommt, gibt es zahlreiche Adaptionen, in denen die Gesangsmelodie ins das Klavierspiel integriert wurde, ohne den Charme der ursprünglichen Klavierbegleitung aufzugeben.

8. Franz Schubert – Impromptus

Impromptus Nr. 3 in Ges-Dur, D. 899 Opus 90

Das dritte Impromptu (Andante, 4/2 alla breve) in Ges-Dur ist ein ruhiger, an ein Nocturne erinnernder Gesang, dessen pianistischer Reiz darin besteht, Melodie und Begleitung gemeinsam mit der rechten Hand zu spielen. Übernimmt der fünfte Finger die Melodietöne, gestalten die übrigen die harfenartig arpeggierte Begleitung, welche die Kantilene mit neuen harmonischen Wendungen untermalt. Schubert ließ sich von Haslinger überzeugen, das Stück nach G-Dur zu transponieren. Der um den Absatz besorgte Verleger hielt die ursprüngliche B-Tonart für zu kompliziert und wollte die Spielbarkeit erleichtern.

Die Impromptus von Franz Schubert sind lyrische Klavierstücke aus den letzten Lebensjahren des Komponisten. Sie verteilen sich auf zwei Sammlungen mit je vier Stücken. Die erste Gruppe (D 899, op. 90) komponierte er im Sommer und Herbst 1827 und ergänzte sie im Dezember desselben Jahres um vier weitere Stücke (D 935, op. 142).

Neben den Moments musicaux gehören die alle in B-Tonarten stehenden Charakterstücke zu seinen bekanntesten Klavierwerken und waren, vor allem früher, fester Bestandteil der Unterrichtsliteratur und Hausmusik. Sie sind heute Teil der Konzertprogramme der Pianisten und werden zyklisch oder einzeln gespielt.

Viel Spaß beim Klavierspielen,

Dein Philip Edelmann

Benjamin Cross

Benjamin Cross ist ein erfahrener Sänger, Multi-Instrumentalist und Musikproduzent der schon in den Charts zu hören war. Bei der OpenMusicSchool unterrichtet er Gitarre, Bass und Ukulele.

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